Eine erlebbare Gemeinschaft.

Kaplan Christoph Glanz über Fußballleidenschaft und Gott.

Die Alemannia war eigentlich immer da, sagt Kaplan Christoph Glanz. (c) Privat
Die Alemannia war eigentlich immer da, sagt Kaplan Christoph Glanz.
Datum:
Mi. 12. Juni 2024
Von:
Stabsabteilung Kommunikation

Im vergangenen Jahr hat er es zu jedem Heimspiel der Alemannia auf den Tivoli geschafft: Kaplan Christoph Glanz, eingesetzt in Krefeld.

„Irgendwie fand ich den Fußball schon als Kind immer sehr nett: Die Regeln sind einfach, und es reichten ein Ball und irgendetwas, um zwei Tore zu markieren.“ Auch wenn seine Leidenschaft für den Vereinssport damals noch nicht gereicht hat, war er bei Welt- oder Europameisterschaften immer dabei. Warum? Weil es so viel Fußball auf einmal gab. „Alle waren voll im Fieber und es war klar, wofür man ist: das Heimatland“. Besonders das gemeinsame Fußballgucken im Freundeskreis und in der Jugendarbeit hat ihn in diesen Zeiten gereizt. Danach war es mit dem Fußball erst einmal gut.

Was die Alemannia betrifft: Der TSV war im Leben von Christoph Glanz irgendwie schon immer da und die Identifikation mit dem Heimatverein für den Priester quasi selbstverständlich. „Ich habe mich immer gefreut, wenn Aachen gewonnen hat.“ Über einen Freund aus der Oberstufe kam er das erste Mal auf den neuen Tivoli. „Das war ein spannendes Erlebnis! Die Einheit zu erleben, als Fan dazuzugehören und ein Teil des Spiels zu sein, hat mich sehr beeindruckt“, erinnert sich der 31-Jährige. „Man trägt dazu bei, dass das Spiel gelingt. Das ist großartig.“ Diese erlebbare Gemeinschaft beeindruckt Kaplan Christoph Glanz bis heute. „Man ist gefühlt eins, durchlebt alles gemeinsam, teilt es. Das ist faszinierend.“ Genau hier zieht der Seelsorger auch die Verbindung zum christlichen Glauben. Wenn die Fans im Stadion die gleichen Farben und das gleiche Trikot tragen und ihre Gesänge anstimmen, kann jeder sofort mitmachen und sich schnell integrieren. „Da könnten wir uns vielleicht auch etwas für den Gottesdienst abgucken“, unterstreicht der Priester. Denn in der Kirche säßen Menschen oft nebeneinander, hätten vor dem Gottesdienst nichts miteinander zu tun und nachher auch nicht. Dass die Kirche wieder mehr zu einer erlebbaren Gemeinschaft wird, in der eine starke Verbundenheit und ein gutes Miteinander spürbar ist, dazu müsste man sich andere Formen überlegen.

Viele Fußballbegeisterte würden außerdem die Erfahrung machen, dass Leistung alleine nicht reiche; dass da irgendeine höhere Macht mitspiele. „Eine Parallele zu dem, wo unser Denken nicht mehr weiter kommt. Das finde ich spannend. Auch, dass einzelne Spieler als Fußballgott bezeichnet oder zu einer ‚gottähnlichen‘ Gestalt werden, hat schon etwas von Heiligenverehrung,“ schmunzelt der Kaplan. Bei aller Begeisterung für den Fußball steht für Kaplan Christoph Glanz jedoch fest: „Mit dem Sinn des Lebens hat all dies nichts zu tun. Spiel bleibt Spiel. Da freu´ ich mich drauf und das ist es dann aber auch gewesen.“

Sein EM-Tipp: „Ich bin mal optimistisch: Deutschland“.